Allgemein/Logbuch der Reiseleitung

Veränderungen kosten Kraft: Über Mut und Ermutigung

Time to say Goodbye: Unser (fast) letzter Beitrag in der Reihe der Resümees nach zwei Jahren Coachingprogramm. Dreizehn Bibliotheken zogen aus, Digitalien zu bereisen. Sie kamen mit Erkenntnissen und Erfahrungen zurück und reisen fortan auf eigene Faust weiter. Heute erzählen uns die Teams der Stadtbüchereien in Plettenberg, Recklinghausen und Steinfurt, welches die größten Herausforderungen waren, worüber sie sich freuten und was eher schlimm war.

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„Veränderungen kosten Kraft und sind anstrengend.“ So lautet eine der Antworten des Teams der Stadtbücherei Plettenberg auf meine Frage hin, was es auf der #BibReise als schlimm empfand. Diesen Punkt sollte man nicht unterschätzen. Es ist mitunter einfacher, für einen absehbaren Zeitraum etwas Besonderes zu machen oder vorzubereiten. Aber im laufenden Betrieb etwas auf lange Sicht tiefgreifend zu verändern – das kostet Kraft und sieht nach außen hin oft wenig spektakulär aus.

Die eigentliche Kunst ist schlicht und unromantisch Arbeit. Und Handwerk. Social Media in den Alltag zu integrieren ist nicht darauf beschränkt, sich Aktionen auszudenken, die zusätzliche Arbeit verursachen (auch wenn das hin und wieder vorkommt). Es geht eher darum, das Alltägliche so in Social Media zu integrieren, dass man Kontaktpunkte schafft, mit anderen ins Gespräch kommt und hierdurch auf lange Sicht Bindung, Sichtbarkeit und Relevanz herstellt.

Wir machen das mit den Fähnchen? Von wegen! 🙂

Stadtbücherei Plettenberg

Tatkräftig, gutgelaunt und durch wenig zu erschüttern: Die Damen aus Plettenberg im Sauerland packten das Projekt beim Wickel. Halbe Sachen gibt es hier nicht. Ich stellte ihnen dieselbe Frage wie allen:

Was war die größte Herausforderung in diesem Projekt?

  • Für die meisten war es der Grundlagenkurs NETzWorking (viel Energie, Zeit und Kraft, jede Woche neue Themengebiete neben der „normalen“ Arbeit, sich durch den „Dschungel“ der zum großen Teil neuen Social-Media-Plattformen zu arbeiten)
  • Kontinuität der Aktionen (Litfaßsäule*), Posts etc., Integration in den Berufsalltag
  • Alle Kolleginnen über einen langen Zeitraum mitnehmen und beteiligen (Bewusstsein für die Notwendigkeit der Arbeit mit Social Media erweitern)

*In der Stadtbücherei steht prominent eine Litfaßsäule, die zur Schnittstelle zwischen digitalem Ort und dem Ort vor Ort wurde.

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Was hat sich durch die BibReise verändert?

Intern:

  • Alle Mitarbeiterinnen haben nun ein Smartphone.
  • Die Kenntnisse in Social Media haben sich erweitert.
  • Social Media nimmt größeren  Stellenwert und zeitlichen Raum ein, gehört zur täglichen Arbeit.
  • Zur internen Kommunikation gibt es eine Team-WhatsApp-Gruppe, dadurch bessere Vernetzung intern
  • Sensibilisierung aller Mitarbeiterinnen für Social-Media-Aktivitäten im beruflichen sowie im privaten Bereich.
  • Ideensammlung erfolgt gemeinsam.
  • Unbeschränktes WLAN in der Stadtbücherei
  • Analog-digitale Sicht
  • Fast 700 Facebook-Fans, Ausweitung und Veränderung der Posts bei Facebook
  • Erweiterung um Instagram-Aktivitäten
  • Mehr Leichtigkeit und Freiheit bei den Posts

Extern:

  • Aktivitäten bei Facebook und Instagram/schnellere Antworten,
  •   Kommunikation mit den Usern
  • Bessere Vernetzung mit anderen Bibliotheken, bzw.  BibliotheksmitarbeiterInnen auf Social-Media-Kanälen, Austausch von Ideen, bessere Kommunikation etc.
  • FB-Aktivitäten werden auch von den Kunden vor Ort wahrgenommen und geschätzt.

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Gibt es einen besonderen Moment oder eine spezielle Anekdote über die #BibReise?

  • 500 Follower bei Facebook: Kleines Fest mit Nutzern und Kuchen vor Ort / analog-digital erzählt
  • Foto – alle mit Smartphones bei einer Social-Media-Dienstbesprechung (Illustration von Veränderung)
  • Post von Bürgermeister der Stadt Plettenberg (Ulrich Schulte) an die FB-Seite der Stadtbücherei, dass er für seine Urlaubsvorbereitungen die Onleihe nutzt (Für uns Wahrnehmung und Würdigung)
  • Erinnerung an eine interne Dienstbesprechung zum Thema „Litfaßsäulenaktion“ – die Luft war raus, es herrschte Lustlosigkeit und die Motivation war an einem Tiefpunkt angelangt
  • Stadtspaziergang durch Plettenberg, die Stadt mit anderen Augensehen, Zustand der Innenstadt wurde als erschreckend schlecht wahrgenommen (Anmerkung der Reiseleiterin: Wir hatten aber auch einfach Pech mit dem Wetter.)
  • Entstehung von „BuMoWaDiKo“ – Spaß bei Workshops

Was war das Beste bei der #BibReise?

  • Kreativworkshops und Contentschulungen mit neuen Impulsen
  • Barcamps
  • Blick über den Tellerrand, Vernetzung mit anderen Bibliotheken bzw. deren MitarbeiterInnen
  • Team ist mehr zusammengewachsen, Teambildung
  • NETzWorking-Kurs im Vorfeld
  • Alle Kolleginnen haben den NETzWorking-Kurs gemacht und geschafft und sich bei der BibReise aktiv beteiligt.
  • Selbstverständlichkeit der SoMe-Aktivitäten, auch als Argumentationshilfe, warum wir in SoMe vertreten sind.
  • Umdenken in der Bibliotheksarbeit, SoMe benötigt Zeit, wird nicht nebenher gemacht, Teil der Arbeit
  • Erkenntnis, welche Bedeutung SoMe hat und praktische Umsetzung
  • unbegrenztes WLAN (zeitlich und Datenvolumen) in der Stadtbücherei
  • Beweglichkeit, mehr Aufgeschlossenheit Neuem gegenüber
  • Gefühl, dass die Modernität der Stadtbücherei gesteigert wird, zeitgemäße Darstellung nach aussen
  • Vorreiterposition vor Ort ausgeweitet
  • Qualifizierung der Leitung und der Mitarbeiterinnen
  • Veränderung im Umgang mit FB und den Posts, Geschwindigkeit schneller, Instagram-Account

Was war das Schlimmste?

  • Beschränkung des WLANs der Stadtbücherei während der „Monitoring“-Schulung auf 300 mbit (daraufhin Verbesserung des WLANs)
  • zu wenig technisches Wissen der Mitarbeiterinnen
  • relativ wenig Resonanz bei FB
  • Unsicherheit, wohin die Reise führt. Wissen, ständig am Ball bleiben und verändern zu müssen; das, was heute gut läuft, kann in einem Jahr wieder ganz anders aussehen.
  • Veränderungen kosten Kraft und sind anstrengend.

Die Stadtbücherei Plettenberg in Social Media

Direktschaltung ins Sauerland: Die Stadtbücherei Plettenberg bei Instagram und bei Facebook.

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In zwei Jahren haben wir alle viel miteinander erlebt. Es gab fröhliche Momente, nachdenkliche Momente, Momente der Erkenntnis und Aha-Effekte und mindestens ebensoviele Augenblicke des „Hö?“ und „Hä?“ Und hin und wieder gab es auch Momente, in denen das Team und ich voreinander standen und uns ratlos musterten.

Es gibt diese Momente oder vielmehr Phasen auch auf Wanderungen oder Radtouren: Man müht sich. Und fragt sich, warum man sich auf diesen Unsinn überhaupt eingelassen hat. Man denkt an das Sofa zuhause. Aber es geht weiter hinauf. Die Bedingungen sind widrig. Doch es hülfe überhaupt nichts, wenn man sich weinend in den Hang würfe. Es ginge dadurch nicht weiter. Manchmal muss man dort hindurch. Manchmal hilft eine Pause. Manchmal hilft es, sich Luft zu machen und miteinander darüber zu lachen, in welchen Schlamassel man sich hineinbegeben hat.

Plötzlich geht es leichter.

Und am Ende kehrt man miteinander ein. Man freut sich, dass man es gemeinsam geschafft hat. Und schmiedet neue Pläne.

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Stadtbücherei Recklinghausen

Während ich manche Orte auf der #BibReise nur im Regen sah, schien in Recklinghausen immer die Sonne. Und am Ende auch in unseren Herzen. Denn unser gemeinsamer Weg führte uns durch unwegsames Gebiet. Was uns zusammenschweißte. Ich fragte das Team:

Was war die größte Herausforderung in diesem Projekt?

  • Die Entscheidung, auf welcher Plattform wir uns bewegen wollen. Und die Erkenntnis, dass wir mit Instagram mehr Leute erreichen als auf Facebook.
  • Inhalte finden und bedienen, stellte sich als eine Herausforderung dar.

Was hat sich durch die BibReise verändert?

  • Teamfördernd
  • Einen erweiterten Mindestkenntnisstand bei allen Mitarbeitern im Bereich Social-Media
  • Mehr Arbeit (Vorbereitung, Inhalte und Motive suchen, Liken und Pflege der Kontakte …)
  • Positives Feedback und dadurch Bestätigung durch die Anzahl der Abonnenten
  • Steigerung des Bekanntheitsgrades in der Region und darüber hinaus (USA, Neuseeland …)

Gibt es einen besonderen Moment oder eine spezielle Anekdote über die #BibReise?

  • Gruppenarbeit außerhalb der Bücherei (Tierpark, Stadthafen, Festspielhaus …)
  • Lustiger Moment à verborgene Talente wurde ans Tageslicht gebracht (Krimiautor)
  • Muttis-Multimedia-Mischmasch (Wortschöpfung)
  • Ein besonderer Moment auf unserem Instagram-Account war es, als zum ersten Mal die New York Public Library unser Bookface-Posting geteilt hatte.
    Ebenso besonders war es, als der Account bookish.features unser Bookface-Posting geteilt hatte.
  • Dieses Feedback von Externen zu bekommen, motivierte einen besonders, weil es zeigte, dass man nicht für sich und den luftleeren Raum produzierte, sondern die kreativen Ergebnisse auch wahrgenommen wurden.

Was war das Beste bei der #BibReise?

  • Gutes Coaching durch Frau Ladwig (Die Reiseleiterin dankt. ♥)
  • Gemeinsames Pizza-Essen zum Abschluss

„Inhalte first“: Eine Erkenntnis, die die Recklinghäuser gern weitergeben.

Sie haben zwei Tipps für alle, die sich demnächst auf #Bibreise begeben – oder auf eigene Faust den digitalen Raum betreten:

Kommunikation ist alles

Das Bibliotheksteam soll sich im Vorfeld darüber klar werden, welcher Kollege Interesse an dem Projekt hat, welche Talente wer einbringen kann, was man mit dem Projekt erreichen möchte. Die Workshops sind gute Input-Geber, aber die Vor-und Nachbereitungen müssen im internen Bibliotheksteam geklärt werden: z.B. sollten Zuständigkeiten, Vertretungen etc. frühzeitig diskutiert werden.

Zeitkontingente schaffen

Social Media sollte kein Projekt sein, das eben schnell in der Mittagspause oder in angehängten Überstunden passiert. Zum einen leidet die Qualität der Ergebnisse, zum anderen räumt es dieser Arbeit nicht den nötigen Stellenwert ein. Ein Bespielen der Social Media-Plattformen muss als selbstverständlicher, fester Teil der Bibliotheksarbeit aufgefasst werden und dazu gehört auch, ein genügendes Zeitkontingent dafür zu schaffen. Das Bibliotheksteam muss sich am besten schon im Vorfeld, spätestens zur Anfangsphase besprechen, wie die beteiligten Kollegen entlastet werden können bzw. wie die Social Media-Arbeit gerecht verteilt werden kann.

Das Pendel muss zwischen Einsamkeit und Gemeinsamkeit, zwischen Einkehr und Rückkehr schwingen. ( Anne Morrow Lindbergh)

 

Und so braucht es immer wieder ein Innehalten und Sich besinnen, um sich darüber Klarheit zu verschaffen, was man macht – und wie man es macht.

Die Stadtbücherei Recklinghausen in Social Media

Hier geht ins die Gute Stube der Stadtbücherei bei Instagram und bei Facebook.

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Sauerland, Ruhrgebiet und nun ab ins Münsterland. Zur …

Stadtbücherei Steinfurt

Auch aus den Steinen, die Dir in den Weg gelegt werden, kannst Du etwas Schönes bauen. (Erich Kästner)

Manchmal jedoch bremsen Steine den Wandernden aus. Man verflucht die Reiseleiter und sieht andernorts Drängenderes und viele Ungewissheiten. Die Füße sind schwer. Die Herzen auch. Man muss um die Steine herum. Und am Ende stellt man zusammen fest, dass man doch ein gutes Stück Weg miteinander geschafft hat. Und man blickt auf kommende Wege und geht ermutigt weiter.

Das Team der Stadtbücherei Steinfurt hat uns ihre Heldenreise erzählt:

„Die Schriftkundigen ließen ihren Stielmuseintopf stehen und begaben sich raschen Schrittes in die Bibliothek der Hohen Schule. Wohlverwahrt in einem nur dem Oberbibliothekar zugänglichen Geheimschrank lag der wertvolle Atlas aller Länder der magischen Welt. Vorsichtig blätterten sie Seite für Seite und achteten auf Zeichen, wo sie mit ihrer Suche beginnen könnten. In Neuland war noch nie ein lebender Bürger gewesen und die Reise würde unsicher werden und barg manche Gefahr. Doch die Schriftkundigen ließen sich nicht schrecken, sie wollten das Jahrhunderte alte Rätsel lösen, das machtvolle Schwert finden und mit Hilfe dessen magischer Energie den feuerspeienden Drachen verjagen, der den Zugang zum Wasserschloss bewachte.

Auf ihrer langen Reise kamen die Schriftkundigen durch verschiedene Länder und lernten staunend fremde Sitten und Gebräuche der Bewohner kennen. Endlich erreichten sie das Tal aus der Prophezeiung, die sie vor langer Zeit gelesen hatten. Gemeinsam lösten sie das geheimnisumwitterte Schwert mit den magischen Zeichen unbeschadet aus dem Stein. Jetzt konnten sie den Heimweg antreten und den gefährlichen Drachen mit der Kraft des Schwertes verjagen.

Am Herdfeuer erzählten die Schriftkundigen den Daheimgebliebenen von ihren Erlebnissen & Begegnungen, schrieben sorgfältig alle neu gewonnenen Eindrücke auf und illustrierten die Berichte kunstvoll. Die Hofbibliothek mit den Reiseberichten aus Neuland wurde in ganz Westfalen berühmt.“

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Das Team der Stadtbücherei Steinfurt ist bei Facebook unterwegs und bloggt. Sie waren mit ihrer Bücher-Fietse im vergangenen Jahr Teil meines Vortrags auf der re:publica: Nichts kommt dem Landleben gleich: Bibliotheken der Zukunft in der Provinz. Leider wurde das E-Bike kürzlich gestohlen, mit dem die Stadtbücherei mit Büchern, Hörbüchern, Musik und Zeit zum Vorlesen und für Gespräche zu den Menschen kam. Wir hoffen alle sehr, dass es wiedergefunden wird!

So. Das war unser letztes Resümee. Ganz am Ende (hihi) sind wir noch nicht. Aber einstweilen hier die Links zu den Folgen dieser Reihe von Rückschauen bisher:

Bisher erschienen:

Bildungsreise nach Digitalien. Mehr als ein Resümee.

Alltag und Heldentum: Passt das überhaupt zueinander?

Susi, der zweite Blick und Bibliotheksinnereien

Endgegner Zeit und Abschied von einer Idee

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Ein Kommentar zu “Veränderungen kosten Kraft: Über Mut und Ermutigung

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