Allgemein/Logbuch der Reiseleitung

Endgegner Zeit und Abschied von einer Idee

Etwa 70 münsterländische Kilometer liegen zwischen Ochtrup und Lüdinghausen. Gefühlt sind die Büchereien Ochtrup und Lüdinghausen aber in Freundschaft verbundene, direkte Nachbarn – oder nachbarschaftlich empfindende Freunde. Der Plan war, diese Nähe auch im digitalen Raum zu spiegeln. Das führte zu einer Idee − und wieder zurück. Unser Resümee des zweijährigens Coachingsprogramm #BibReise mit zwei kleinen Teams aus dem Münsterland.

Sich im Alltag Zeit zu nehmen, um grundsätzlichen Fragen zur eigenen Identität und der Kommunikation nachzugehen, dabei kann die Teilnahme an einem Projekt mit anderen und regelmäßige Workshops und Besprechungen helfen. Zumal, wenn es um die Erschließung und Erprobung von Social Media geht. Facebook, Twitter, Instagram: Egal welche der Social-Media-Plattformen man sich vorknöpft – sie lösen bestenfalls mehr aus als nur eine rasche Antwort auf die Frage „Was machst du gerade?“

Rückkehr in den Alltag

Das Team der Bücherei St. Lamberti aus Ochtrup musste und durfte. 🙂

Punkt 2 LH

Das Team der Stadtbücherei St. Felizitas aus Lüdinghausen folgte den Ruf des Abenteuers!

Zeit. Der große Endgegner der #BiBReise. Ob in den großen oder in den kleinen Teams: Niemand hat Zeit herumliegen, die ungenutzt vor sich hinvergeht. Dieser Umstand war sicher einer der größten Holpersteine dieses gemeinsamen Weges. Zeit lässt sich nicht vermehren und eine App für mehr Zeit gibt es auch nicht. Der Zeitumkehrer von Hermine Granger bleibt wohl Fiktion.

Einstweilen blieb allen Reisegruppen der dreizehn beteiligten Bibliotheken nichts anders übrig, als einen Umgang mit dieser Schwierigkeit zu finden. Vertraute Abläufe im Alltag müssen hinterfragt und womöglich verändert werden. Wo das Eine hinzukommt, muss man etwas Anderes lassen. Um darüber aber entscheiden zu können, braucht es zunächst einige Erfahrungen, Erkenntnisse und eine Vorstellung davon, welche Schwerpunkte man künftig setzen und wie man Social Media künftig integrieren will. Das Vertrackte: Das kostet wiederum Zeit.

Und so verwundert es nicht, was die Ochtruper und Lüdinghausener antworteten, als ich sie fragte:

Was war die größte Herausforderung in diesem Projekt?

Ochtrup antwortete:

  • Die Social Media-Aktivitäten in den normalen Wahnsinn im Büchereialltag unterzubringen. Das gelingt auch immer noch nicht immer gleich gut.
  • Eine große Herausforderung ist auch dieser Abschlussbericht, weil es uns schwer fällt, auf Kommando gute Ideen zu entwickeln.
  • Die Workshops zeitlich unterzukriegen, vor allem für die Teilzeitkräfte.

(Auf Kommando! Die Reiseleiterin hier denkt über ihren Ton nach … :D)

Lüdinghausen antwortete:

  • Mehrere Social-Media-Plattformen interessant und gleichzeitig zu bespielen
  • Social-Media in den Arbeitsalltag zu integrieren und es auch als Arbeit zu definieren
  • Die vielen Termine im Rahmen des Projektes ließ uns als kleine Bibliothek an die Grenzen stoßen.

Ob große Teams, ob kleine Teams: Es gab bei jeder Teamgröße ganz spezifische Probleme, auch wenn man mitunter etwas neidvoll aufeinander schaute: Die kleinen Teams auf die großen, die großen auf die kleinen. Das Gras auf der anderen Seite des Zauns, so grün, so schmackhaft. Der Austausch bei den Lernortcamps half, sich der ganz eigenen Herausforderungen der einzelnen Teams bewusst zu werden. Letztlich kochen alle – ganz banal gesagt – mit Wasser.

Stein der Weisen

Was hat sich durch die BibReise verändert?

Ochtrup antwortete:

  • Bei jedem Ereignis oder besonderen Situation denkt man darüber nach, wie man sie für Social Media verwenden kann.
  • Wir haben Spaß daran bekommen, uns auch an Videos heranzutrauen.
  • Der Blick über den Tellerrand ist noch weiter geworden. Wir verfolgen mit großem Interesse vermehrt, was in anderen Büchereien (aber auch anderen Einrichtungen) passiert.
  • Das persönliche Verhältnis zu den KollegInnen aus der Kooperationsbücherei in Lüdinghausen ist noch besser geworden.
  • Social Media macht vor allem Spaß

Lüdinghausen antwortete:

  • Intern: erweiterte Sicht auf die Bibliothekslandschaft (Was läuft wie und wo?), aufmerksamerer Blick auf Dinge (Was kann man verwerten, was ist von Interesse?), noch engere Zusammenarbeit mit der Partnerbücherei in Ochtrup
  • Extern: Positives Feedback in der „realen“ Welt, interessanterer Auftritt im Web, Austausch mit KollegInnnen
Punkt 5 LH

Gemeinsam sind sie stark: Die Leiter der beiden Bibliotheken sind seit dem Studium miteinander befreundet und sind Großmeister im Aushecken.

Punkt 8 LH

Was Menschen da draußen mögen. 🙂

Gibt es einen besonderen Moment oder eine spezielle Anekdote über die #BibReise?

Ochtrup antwortete:

  • Spannend war die reale Begegnung beim ersten Barcamp, nachdem man viele KollegInnen schon „so gut“ über die Social Median-Kanäle kannte.
  • Erhellend oder interessant ist schon, welche Posts besonders gut „einschlagen“.
  • Das sind oft nicht die, bei denen man es erwartet hätte.
  • Lustig war es, eine Idee zu entwickeln, was wir als katholische öffentliche Bücherei machen, wenn wir die magische Zahl von 666 Fans auf Facebook bekommen, ohne auf Fan-Bettelei zu gehen.
  • Als katastrophal empfanden die Kolleginnen die Zeiten, in denen der Büchereileiter im Urlaub war und sie gezwungen waren/sind, unsere Social Media-Kanäle bespielen zu müssen.

Lüdinghausen antwortete:

  • Das Beste:
    • Der Austausch mit den anderen Bibliotheken,
    • die Horizonterweiterung durch den Netzworking-Kurs,
    • der Spaß bei der Produktion von Posts.
  • Das  Schlimmste:
    • Die Erkenntnis über all die Dinge, die wir vorher falsch gemacht haben,
    • der Zeitmangel in kleinen Teams,
    • das Trennen von beruflich und privat (… mal eben vom Sofa aus posten)

Eine Idee wird zu Grabe getragen

Ideen kommen oft nicht, wenn man sie braucht. Sind sie da, klingen sie manchmal irgendwie gut, aber sie zicken herum, will man sie umsetzen. Die hohe Kunst des Verwerfens gehört dazu. Quietsch!

Nicht ohne Abschiedsschmerz blieb doch vor allem eins: Erleichterung. Denn nach dieser Entscheidung und demn Abwerfen dieses Gepäckstücks ging es mit frischem Schwung weiter.

2016-05-12 16.34.50

Bücherei St. Lamberti aus Ochtrup

… über ihre Accounts in Social Media:

https://www.facebook.com/lambertibuecherei/

Die Facebook-Seite der Bücherei ist die Seite, auf der die Bücherei informiert, auf der aber möglichst oft auch humorvolle Beiträge den Ernst des Büchereialltags auflockern sollen. Die Seite spiegelt natürlich schon den Alltag wieder, es gibt Veranstaltungshinweise, es wird daüber berichtet, was gerade ansteht aber eben auch das nicht immer so ganz ernst

https://www.instagram.com/lambertibuecherei/

Instagram nutzen wir für die schnellen Infos in Bildform, aber vor allem auch zur Beteiligung an verbreiteten #hashtags wie z.B. der #lampenmittwoch

Wir versuchen auch eigene Serien anzustoßen, wie z.B. die #türzumwochenende.

Nachdem wir die automatische Weiterleitung der Facebook-Posts auf Twitter abgestellt haben, nutzen wir Twitter sporadisch für kurze Infos, witzige Retweets, Hinweise auf andere Beiträge aber auch um mal einfach „Guten Morgen“ zu sagen.

https://lambertibuecherei.wordpress.com/

Der Blog hat den Titel „Portion Senf dazu“ und genau das ist auch der Inhalt: Wir haben hier eine Sammlung von Blogbeiträgen zu den verschiedensten Themen von Handarbeiten über Kochen bis hin zur Politik, Flüchtlingshilfe und Buchkritiken.

Unser Blog lebte vor allem durch eine unserer Beschäftigten, die im Rahmen einer Fördermaßnahme bei uns war. Ab dem 1. Mai 17 müssen wir den Blog selbst bespielen. In wie weit das klappt, wissen wir noch nicht.

Stadtbücherei St. Felizitas aus Lüdinghausen

… über ihre Accounts in Social Media:

https://www.facebook.com/buecherei.lh

Auf unserer Facebookseite sieht man den ganz normalen alltäglichen Wahnsinn bei uns in der Bücherei.

Wir versuchen Infos über den Büchereialltag (meist humorvoll) zu verbreiten. Dabei halten wir gerne selbst mal das Gesicht in die Kamera. Es soll ein Stück weit unseren Büchereialltag wiederspiegeln und zeigen, was wir tun, wie wir so sind und was wir vorhaben.

Infos und Wissenswertes wird dazwischen gestreut und wird dadurch auch gesehen.

https://www.instagram.com/stadtbuchereist.felizitas/

Bei Instagram gibt es meist die schnellen Häppchen aus dem Büchereialltag (Bilder, Collagen oder Videos, Infos über ausprobierte Medien : Kochrezepte, Bastelleien etc.), darüber hinaus nutzen wir verbreitete Hashtags und beteiligen uns zum Beispiel am #lampenmittwoch, #treppenhausfreitag und unseren eigen #spinnensonntag.

Punkt 10 LH

Der Ruf des Abenteuers

Dies war der vorletzte Streich. In der letzten Folge wird uns das Resümee der #BibReise nach Plettenberg, Recklinghausen und Steinfurt führen.

Bisher erschienen:

Bildungsreise nach Digitalien. Mehr als ein Resümee.

Alltag und Heldentum: Passt das überhaupt zueinander?

Susi, der zweite Blick und Bibliotheksinnereien

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Ein Kommentar zu “Endgegner Zeit und Abschied von einer Idee

  1. Pingback: Veränderungen kosten Kraft: Über Mut und Ermutigung | #BibReise

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