Allgemein/Logbuch der Reiseleitung

Zwischenfazit und Einblick ins Kreativlabor

Es begann vor nunmehr einem Jahr: Dreizehn öffentliche Bibliotheken aus Nordrhein-Westfalen machten sich auf eine abenteuerliche Reise. Es gilt, den digitalen Raum zu erforschen und ihn sich zu eigen zu machen. Es gilt, digitale Kommunikation in den Arbeitsalltag zu integrieren und als zusätzliche Dimension mitzudenken. Das bedeutet, sich mit dem eigenen So-Sein, als Team, als Bibliothek und als Ort in einem Ort, und mit dem Selbstverständnis als Kultur- und Bildungseinrichtung zu beschäftigen. Das bedeutet, einen eigenen Ausdruck im Digitalen zu finden, der dieses Selbstverständnis spiegelt. Das bedeutet, einen souveränen Umgang mit Technologien und Kommunikation im Digitalen zu entwickeln. Und so führte der Weg nach draußen in die digitale Welt vor allem erstmal zu sich selbst.

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Jüngst endete die (für mich) dritte Workshoprunde. Ein wesentlicher Bestandteil dieser Runde war, gemeinsam zu besprechen, was sich für die rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und die Leitungen in den Bibliotheken in den letzten zwölf Monaten getan hat. Und was vielleicht auch noch nicht. Und was zu tun ist. Es war eine gute Entscheidung, die BibReise auf zwei Jahre anzulegen. Veränderungs- und Lernprozesse benötigen schlicht Zeit, insbesondere dann, wenn der normale Alltag weiterläuft.

Der Weg ist das Ziel

Eine alte Binsenweisheit, die auf die BibReise unbedingt zutrifft. Wir erinnern uns: Es geht um mehr als ein Projekt. Es geht um die Integration von digitaler Kommunikation in den Alltag über das Qualifizierungsprogramm hinaus.Daher ist es auch wichtig, immer wieder zu reflektieren, was wir eigentlich tun und warum.

Es geht eben nicht nur darum, irgendwas für dieses Facebook zu finden, eigene Inhalte zu produzieren und eine bestimmte Zielgruppe zu erreichen. Die eigene technische und Medienkompetenz verbessern, die eigenen Filter justieren (was muss und möchte ich mitbekommen und von wem und mit wem möchte und muss ich mich vernetzen und wie steuere ich das), der Aufbau von hierarchie- und abteilungsübergreifenden Kommunikationsstrukturen im Team, analoge und digitale Räume sinnvoll miteinander verbinden und die Nützlichkeit von verschiedenen Diensten einschätzen: Das Verständnis für die Wirkung sowie die Möglichkeiten und Anforderungen von Social Media entwickelt sich im Tun und im Gespräch miteinander.

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In der Rückschau zeigte sich, dass sich in den meisten Bibliotheken viel bewegt hat in diesem Jahr. Tempo und Themen sind unterschiedlich, gut. Manche sind mit Volldampf untwerwegs und wie entfesselt. Bei anderen sorgen Faktoren für Verzögerungen, die nicht direkt mit dem Projekt zusammenhängen. Es ist im Laufe eines Veränderungsprozesses vollkommen normal, wenn es zwischendurch knirscht oder die Puste ausgeht. Es ist sehr wichtig, dies zuzulassen, Verzögerungen zu analysieren und die Ursachen nach Möglichkeit zu beseitigen.Das ist sogar ein wichtiger Teil von Veränderungsprozessen, in dem man viel über sich lernen kann.

Besonders wertvoll war der Onlinekurs NETzworking, ein Grundlagenkurs mit wöchentlichen Aufgaben zur Bibliotheksarbeit im Social Web. Hier wurden viele Unsicherheiten und Vorbehalte abgebaut. Eine Leseempfehlung ist der Rückblick von Anja Hollman von der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken mit Rückmeldungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den Kurs erfolgreich abgeschlossen haben.

An dieser Stelle zeigt sich, dass es gut ist, dass das Qualifizierungsprogramm sowohl strategisch als auch operativ angelegt ist. Leitungen und Team sind involviert, Knackpunkte können identifiziert und oft behoben werden. Das umfasst etwa eine Neubewertung und Priorisierung von Aufgaben oder die Ausstattung mit Dienstsmartphones oder -tablets.

Vernetzung von Menschen, Inhalten, Orten und Diensten

Auch ein Blick auf die genutzten Dienste war hilfreich. Mit einer Seite bei Facebook hatten fast alle begonnen. Mithilfe von Blogs, Twitter oder Instagram machen sich die Bibliotheken inzwsichen unabhängiger von nur einem Dienst und lernen, Inhalte vernetzter zu denken und mit den unterschiedlichen Funktionsweisen der Dienste spielerisch umzugehen. Zusätzlich hat die Ausweitung einen Effekt auf die Vernetzung. Gerade Instagram ließ und lässt viele Bibliotheken zu mehr Leichtigkeit finden – und zu besserer Sichtbarkeit, was sich auf die anderen Dienste überträgt.

Fazit der Rückschau: Alle sind auf dem Weg.

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Was ich dabei sehr schön finde: Die dreizehn Bibliotheken sind auf ihren eigenen Wegen unterwegs. Manche rennen vergnügt durchs Unterholz, manche traben entschlossen Wanderpfade entlang, andere hängen noch ächzend in der Klamm, einige springen vergnügt ins kalte Wasser.

Zeit und Raum

Und mit dieser Erkenntnis ging es ins Kreativlabor. Was vor allem bedeutete, dass ich mitbrachte, woran es im Alltag oftmals fehlt: Raum und Zeit. Bisher hatten wir uns unter anderem damit beschäftigt, wie man Ideen entwickelt und sie auf eigene Weise umsetzt. Viel häufiger ist es im Bibliotheksalltag allerdings so, dass  Inhalte da sind – seien es Erlebnisse oder Ereignisse – und man für diese Social Media mitdenkt.

Ich schickte die Teams also auf Expedition jenseits der Bibliotheken, in die Stadt, in die Umgebung: (Er-)Findet keine Geschichten, lasst die Geschichten Euch finden! Dokumentiert, was Ihr macht. Nicht das Ergebnis. Kreativität ist kein linearer Prozess. „Sei kreativ“ funktioniert genauso gut und genauso wenig wie „sei spontan“. Nun haben Bibliotheksmenschen kein Faible für schwammige Aufgaben, aber da mussten sie durch.

Für mich als Coach war es wichtig mitzuerleben, wie die Teams mit ihren mobilen Geräten umgehen, welche technischen oder gruppendynamischen Schwierigkeiten möglicherweise auftauchen, was sie sehen und wie sie einander von ihren Beobachtungen und Erlebnissen erzählen.

Was passierte, war quasi Social Media live. Sich anderen mitzuteilen, Geschichten zu erzählen, zu zeigen, was man tut und wo man verortet ist – und nicht zuletzt: Sich zu zeigen! Menschen sprechen mit Menschen, und nicht mit Institutionen. Wenn Bibliotheken Menschen erreichen möchten und mit ihnen ins Gespräch finden wollen, müssen sie selbst als Menschen greifbar werden. Bei Blogs, Twitter und Instagram funktioniert das wunderbar über Interessen und Themen und einen persönlichen Ton, aber bei Facebook etwa findet Kontakt oft eher statt, wenn man auch sieht, mit wem man sich verbindet.

Und dabei entstand etwa so etwas hier. (Kleines Filmchen, das sich hier nicht einbinden lassen will. Unbedingt ansehen!)

reck

Weiter geht’s mit Geduld und Spucke

Mit frischem Mut und einem fröhlichen Lied auf den Lippen geht es nun weiter.Ich habe in diesem Jahr ebenfalls viel gelernt, mit und von den Bibliotheken. Und ich habe einhundertfünzig Menschen und dreizehn Orte kennengelernt, was ich als große Bereicherung empfinde. Vermutlich habe ich auch fünf Kilo zugenommen, weil ich vielerorts köstliche selbstgemachte Kuchen, Salate, Aufstriche und Brote kosten durfte. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für Eure Gastfreundlichkeit, liebe Bibliotheksmenschen!

Mir wird immer wieder bewusst, was für ein außergewöhnliches Angebot die BibReise ist: Als Landesprojekt zentral erdacht und gesteuert begleiten wir einen strategischen und operativen Veränderungsprozess in dreizehn Bibliotheken. In einer Mischung aus Schulung, Beratung, Coaching und Förderung des Austauschs untereinander wird es möglich, tatsächlich etwas anzustoßen und digitale Kommunikation nachhaltig zu integrieren. Aus meiner Sicht hat dieses Konzept unbedingt Vorbildcharakter. Und es greift. Was nun auch nicht selbstverständlich ist.

Im Herbst reist nun mein Kollege und Mit-Coach Christoph Deeg durch die Bibliotheken und es wird um Monitoring gehen. Beim nächsten Treffen mit den Bibliotheksleitungen werden wir uns über den Stand der Dinge in den einzelnen Bibliotheken austauschen und wie es weitergeht. Anfang des Jahres toure ich dann wieder durchs Land. Und wie ich hörte, freuen sich schon viele auf unser zweites internes Barcamp im Frühsommer 2017. Ich auch!

Für mich geht’s nun erstmal in den Urlaub. Danach wird es hier einen Beitrag über Snapchat für Bibliotheken geben, von einer tollen Mitarbeiterin aus Oberhausen. Ich raschele schon mal mit den Pompoms.

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