Allgemein/Logbuch der Reiseleitung

Kaltwasserweitwurf: Ein Barcamp für die #BibReise

Meist ist es ja so: Man treibt sich in Social Media herum und lernt im digitalen Raum Menschen kennen, die Ähnliches machen und sich ähnliche Fragen stellen wie man selbst.  Irgendwann erfährt man dann von diesen Barcamps, macht die üblichen Witze mit Zelten und Drinks, geht hin und erfreut sich an Social Media live und in 3D und Farbe.

Wie wirkt sich ein Barcamp aus, wenn man es als Teil eines gemeinsamen Lernprozesses einsetzt? Als wir das Konzept der #BibReise entwickelten, wollten wir die bestmögliche Verknüpfung aus Vermittlung von Erfahrung und Wissen sowie einen Transfer der Funktionen und Möglichkeiten Social Media in den Alltag der Bibliotheken und der Menschen, die darin arbeiten. Digitale Kommunikation ist ein operatives und strategiesches Thema. Einbezogen sind daher sowohl die Teams als auch die Leitungen der Bibliotheken. Neben NETzworking, den Workshops durch die beiden Coaches, regelmäßigen Treffen der Bibliotheksleitungen und begleitenden Facebook-Gruppen gab es nun ein erstes internes Barcamp, das Lernortcamp.

Bei der #BibReise haben wir quasi Halbzeit: (Fast) alle Bibliotheken haben ihr Verständnis vom digitalen Raum und ihre Aktivitäten in Social Media seit dem Beginn des Qualifizierungs- und Coachingsprogramms enorm weiterentwickelt. Die Neugier aufeinander wuchs. Gut so!

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Miteinander reden

Denn das Kennenlernen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus den öffentlichen Bibliotheken aus NRW, die an der #BibReise teilnehmen, war uns ein besonderes Anliegen. Das Treffen im Analogen vermag die Kommunikation im Digitalen zu beflügeln – und umgekehrt.

Vernetzung mit anderen Menschen spielt eine wesentliche Rolle in Social Media. Natürlich geht es in unseren Workshops darum, Ideen für Inhalte zu entwickeln und sie mit Mut zur eigenen Handschrift und zum eigenen Ton umzusetzen. Hierbei soll ein Gespür für gute und kreative Stoffe wachsen, die zur jeweiligen Bibliothek, dem Team und dem Ort passen. Aber die grandioseste Idee verplätschert in den Untiefen des Internets, wenn man nicht vernetzt ist, vernetzt mit Gleichgesinnten, Kollegen, Multiplikatoren, Influencern und einer fluffigen Community. Social Media ist nichts, was man für andere macht. Social Media ist das, was man für sich, gemeinsam und miteinander macht.

Barcamp ist das, was man daraus macht

In der Bibliothekswelt sind offene Formate wie ein Barcamp eher unüblich. Zwar fand in diesem Jahr das Bibcamp bereits zum neunten Mal statt. Aber im allgemeinen sind doch eher „ordentlich“ sortierte Konferenzen, Tagungen und Seminare an der Tagesordnung.

Ein internes Barcamp bringt besondere Herausforderungen mit sich: Ein barcampübliches Du etwa bringt bei solchen Veranstaltungen mehr Probleme mit sich und macht die Kommunikation eher schwieriger. Gewachsene und teilweise über Jahrzehnte gepflegte hierarchische Strukturen lassen sich nicht wegschnipsen. Den größten Unterschied macht aber sicher, dass sich auf öffentlichen Barcamps nur die Leute finden, die auch aus sich selbst heraus den Weg auf eine solche Veranstaltung gefunden haben. Viele äußerten daher im Vorfeld oder bei der Vorstellungsrunde Skepsis, aber auch Neugier.

Sowieso, die Vorstellungsrunde: Name, Ort, drei Hashtags. Viel Gelächter. Denn nach den ersten zwanzig, dreißig Menschen kippte sie vom Angespannten (waaaah, aufstehen, vor allen Leuten, und dann auch noch Mikro!) ins Fröhliche.  Das erste Eis war gebrochen.

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Processed with VSCO with 6 preset

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Die Sessionplanung verlief noch etwas zäh. Die Vormittagssession hatten wir aber rasch voll, die Nachmittagssessions fanden wir dann in einer Sessionplanung II nach dem Mittagessen. Die Bandbreite war groß:

  • Wie können Bibliotheken in Social Media über Medien (Bücher, Hörbücher, Filme, Spiele usw.) sprechen, ohne dass es langweilig wird?
  • Makerspace ohne Technik und ohne Geld
  • Videos für Social Media
  • Gute Bilder, schlechte Bilder: Fotografieren für Social Media
  • Zukunft der Bibliotheken – Bibliotheken der Zukunft
  • Snapchat für Bibliotheken
  • Figurenentwicklung: Plüschtiere und Maskottchen zum Leben bringen
  • Workflow, Organisation und Technik für Social Media
  • Gaming in Bibliotheken
  • Für Social Media braucht man einen langen Atem
  • Podcasting
  • Social Media Breakfaster: Einblicke in die Arbeit der Stadtbibliotheken Düsseldorf

Miteinander den Ablauf von Sessions zu gestalten, sich aktiv zu beteiligen, von eigenen Erfahrungen zu erzählen, Unwissen oder fehlende Kenntnisse preiszugeben, andere am eigenen Wissen teilhaben zu lassen: Ja, das ist ungewohnt. Durchaus unbequem. Und lustig. Wunderbar. Und es funktionierte dann viel besser, als manche es befürchtet hatten.

Kaltwasserweitwurf?

Das Wort entstand bei der Erklärung, dass wir bis auf ein paar Ausnahmen keinen Aufruf ausgegeben hatten, Sessions vorzubereiten. In gewisser Weise war das Lernortcamp ein Schubs ins kalte Wasser. Nur drei Menschen von allen Anwesenden haben überhaupt schon mal an einem Barcamp teilgenommen. Für alle anderen war es ein neues Format. Die Vorbereitung von Vorträgen hätte eine Teilung in Vortragende und Publikum forciert. So sind Sessions zustandegekommen, in denen man miteinander reden musste. Es entstand Freiraum – statt Powerpoint. Das ist nicht immer gut auszuhalten, aber letztlich entstand so ein echter Austausch.

Ich bin gespannt, wie es im nächsten Jahr ablaufen wird, wenn wir zum Abschluß der #BibReise wieder ein Lernortcamp veranstalten. Die vielen positiven Rückmeldungen und die Vorfreude auf ein weiteres Barcamp machen auf jeden Fall Mut.

Wie es weitergeht

Die Sessions werden wir nach und nach dokumentieren. Erste Recaps gibt’s bei den Büchertanten aus Elsdorf und bei lindgrenchen:

https://stadtbibliothekelsdorf.wordpress.com/2016/06/16/eine-buechertante-geht-campen

https://stadtbibliothekelsdorf.wordpress.com/2016/06/17/eine-buechertante-geht-campen-2

https://daslindgrenchen.wordpress.com/2016/06/19/mein-wochenrueckblick

Herzlichen Dank für das Grußwort der Stadtbibliothek Ingelheim (das ich leider erst jetzt entdeckt habe)!

Ab Juli startet die neue Runde der Workshops vor Ort in den Bibliotheken. Ich bin gespannt, ob und wie sich das Barcamp ausgewirkt hat.

Man sollte nie so viel zu tun haben, daß man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.

Christoph Lichtenberg

P.S. Wir sammelten übrigens vor Ort Lieblingswörter, Wörter zum Lernortcamp – und vergessene Wörter:

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2 Kommentare zu “Kaltwasserweitwurf: Ein Barcamp für die #BibReise

  1. Pingback: Lernort – Barcamp: Es sind noch Plätze frei! | Fachstelle Öffentliche Bibliotheken NRW

  2. Pingback: Und jetzt alle: Lernortcamp! | #BibReise

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