Logbuch der Reiseleitung

Eine Marktkatze, ein Zwiespalt und drei Bahnhöfe: #BibReise in Steinfurt

Die Stadt besteht aus den beiden Ortsteilen Burgsteinfurt und Borghorst mit jeweils drei Bauerschaften.“ 1975 wurden im Zuge der Kreisgebietsreform in Nordrhein-Westfalen die Städte Burgsteinfurt und Borghorst zur Kreisstadt Steinfurt zusammengeschlossen. Sucht man DEN Bahnhof Steinfurt, wird man nicht fündig. Es gibt sogar drei Bahnhöfe. Die Stadtbücherei Steinfurt liegt am mit Kopfstein gepflasterten Marktplatz in Burgsteinfurt, einem schmucken Ort mit historischem, beinahe holländisch anmutendem Stadtkern. Das schöne Haus, das die Stadtbücherei beherbergt, wurde um 1445 erbaut und diente einst als Gästehaus und Repräsentanz der Grafen zu Bentheim-Steinfurt − und als Verkaufsstelle für Wein.

Stadtbücherei Steinfurt

Stadtbücherei Steinfurt (im rechten Haus)

Das erfährt man durch ein Schild an der Hauswand, das Teil eines historischen Stadtrundgangs ist. Ein solcher Rundgang lohnt sich, denn an jeder Ecke und in jedem kleinen Gässchen von Burgsteinfurt kann man etwas Ungewöhnliches entdecken. Ein Ort wie ein Buffet: Besondere Geschäfte wie die historische Apotheke oder die Blaudruckerei und der Markt laden ein, sich zu bedienen und hier und da zu kosten. Aber wie viele Orte in der Größenordnung klämpft auch Steinfurt mit Abwanderung und klammen Haushaltskassen. Das schränkt natürlich auch den Spielraum einer Stadtbücherei ein. Dass eine Gebietsreform nicht bedeutet, dass zwei Orte unbedingt zu einem zusammenwachsen, lässt sich an Steinfurt recht gut sehen. Allein der Wikipedia-Eintrag spricht Bände, in dem zwischen Burgsteinfurt und Borghorst peinlich genau unterschieden wird. Ein Zwiespalt. Zwischen den Orten liegen nicht nur ein paar Kilometer und der Bagnopark mit Konzertsaal und Inselruine, sondern offenbar Welten. Auch damit muss eine Stadtbücherei einen Umgang finden.

Alt und neu, digital und analog

Die Sensation ist momentan der vom Förderverein gestiftete Treppenlift, den wir gleich bei Ankunft hinreichend bewunderten. Das mag albern klingen, aber ein altes Haus, das unter Denkmalschutz steht, lässt wenig Spielraum, um auf manche Bedürfnisse oder gestalterische Wünsche einzugehen. Kreativität und Improviationstalent sind also gefragt. Und ein gutes Team. Zwei Tage lang arbeiteten wir am Selbstverständnis der Stadtbücherei, eine wesentliche Grundlage, um Social Media mit einem eigenen Tonfall und einem eigenen Stil bei der Umsetzung von Ideen als selbstverständliche Erweiterung im digitalen Raum zu nutzen.

Gerade aus dem Gegensatz zwischen Altem und Neuen, sowohl im Ort und in der Region selbst als auch in der Stadtbücherei, lassen sich Geschichten schöpfen. Das Team ist ausgezeichnet vernetzt und im Laufe unseres Workshop wurde deutlich, dass es Schätze zu heben gilt. Im Alltag nimmt man diese oft gar nicht wahr. Da kann es sehr helfen, wenn man mal gemeinsam einen Schritt zurücktritt und einen anderen Blick auf örtliche und persönliche Eigenheiten wirft. Und ich denke seither immer wieder an die vielen Löwen in der Stadt …

Die Marktkatze haben wir übrigens nicht gesehen. Insofern hoffe ich auf Dokumente der Katzensichtung! Die Stadtbücherei Steinfurt findet man bei Facebook hier. Ob und welche anderen Social-Media-Dienste wie Instagram oder Twitter hinzukommen, wird sich entwickeln.

Was noch geschah

Am Abend gab es übrigens noch eine ganz besondere Begegnung: Christoph Deeg und ich spazierten vom Essen zurück ins Hotel, das übrigens in Borghorst liegt. Wir kamen an einem Optikerladen vorbei, in dem vier Herren mit Instrumenten standen. Ruckzuck, die Tür wurde aufgeschlossen, wir rein, hinsetzen − und wir erhielten quasi als Weltpremiere das diesjährige Programm zum Karneval von Bass & Bässer. Helau! #sachengibts

#TagderPoesieamArbeitsplatz: Den haben wir gleich genutzt, um Inhalte zu produzieren. Sobald geklärt ist, wie das urheberrechtlich aussieht, werden die Beiträge veröffentlicht.

Und am Ende fuhr ich dann auch noch mit einer Tasche voller Walnüsse aus eigener Ernte nach Hause. Danke sehr, liebe Frau Goldenstein!

2016-01-12 16.03.55-1

 

 

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Ein Kommentar zu “Eine Marktkatze, ein Zwiespalt und drei Bahnhöfe: #BibReise in Steinfurt

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