Logbuch der Reiseleitung

Erste Prüfungen: Bibliotheken im Social Web

Vor drei Monaten folgten dreizehn Bibliotheken dem Ruf ins Abenteuer und begaben sich auf eine abenteuerliche Reise nach Digitalien: die #BibReise.

Was bisher geschah

Wie bei jeder Heldenreise folgten auf den Ruf ins Abenteuer und das Finden von Gefährten und Mentoren die ersten Herausforderungen. Nach unserem beschwingten Auftakt in Duisburg reisten die Leitungen der Bibliotheken  zurück in ihre Heimatorte und die Parole NETzworking ward ausgerufen.

NETzworking ist ein Selbstlernkurs, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Öffentlichen Bibliotheken in Modulen die verschiedenen Aspekte des Social Web kennenlernen können. Begleitet von der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW (Facebook Blog) lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Plattformen, Tools und Eigenheiten von Social Media ebenso kennen wie die Auseinandersetzung mit Online-Identität, kollaboratives Arbeiten, RSS-Feeds und die Begleitung von Veranstaltung im digitalen Raum.  Allein über hundert Blogs sind dabei entstanden, und manches Blogtalent hat sich dabei offenbart.

Aber natürlich werden auch Probleme ganz unterschiedlicher Art sichtbar, etwa durch die Sperrung von Social-Media-Diensten in vereinzelten Kommunen. Auch die Frage mobiler Endgeräte für eine bessere Nutzung von Social Media muss geklärt werden. Smartphones oder Tablets? Was ist für wen und für welche Zwecke am besten geeignet? Der Faktor Zeit ist immer und überall problematisch. Um etwas Neues zu lernen, braucht es Zeit, und für jeden Schritt braucht es zu Anfang mehr Zeit als man mitunter denkt.

Social Media ist ein Leitungsthema

Spätestens an dieser Stelle ist offensichtlich, dass Social Media nichts ist, was Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten „mal eben nebenbei“ erledigen können. Was allen, die sich schon länger mit Social Media auseinandersetzen, nichts Neues ist, ist in viele Kultureinrichtungen wie auch Unternehmen und Verbänden Alltag: Eine Seite bei Facebook oder ein Account bei Twitter und Youtube ist rasch eingerichtet und zudem kostenlos. Der Rest wird dann dem Lauf der Dinge und dem Engagement einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überlassen.

Um aber Social Media nachhaltig zu integrieren und mit anderen digitalen Angeboten und dem Ort strategisch sinnvoll zu verknüpfen, braucht es den Willen und das Wissen im ganzen Team, die Bibliotheksleitung eingeschlossen. Letztere muss Entscheidungen über technische und personelle Rahmenbedingungen treffen. Für das Team ist es wichtig, dass Social Media gewollt ist und hierfür die Bereitstellung von Ressourcen nötig ist.

Stadtbibliothek Bielefeld

Das ist die Stadtbibliothek Bielefeld.

Gestern trafen erneut die Leitungen der Bibliotheken zusammen. Wir waren in der Stadtbibliothek in Bielefeld zu Gast. Der Tag war dem Austausch über die ersten drei Monate im Qualifizierungsprogramm gewidmet: Was lief gut? Wo hakt es?

Denn eins zeigt die Erfahrung aus den Lernort Bibliothek – Projekten in NRW seit 2009: Die Beschäftigung mit Social Media rüttelt die Bibliotheken durch. Wie sinnvoll es ist, das Thema Social Media zum Leitungsthema zu machen, zeigen die Bibliotheken, die Social Media bereits systematisch und strategisch angehen. Das ist keine Frage der Größe: Neben Köln, Münster und Düsseldorf beweisen auch mittelgroße und kleine Bibliotheken viel Einfallsreichtum, Tatkraft und Mut bei der Verknüpfung von Analog und Digital. Hier und da hat Social Media aber auch Knackpunkte an den Tag gebracht.

Der dritte Ort im digitalen Raum

Social Media ist nicht das einzige Thema, das die Bibliotheken beim Wickel packen: Das Berufsbild der Bibliothekarin oder des Bibliothekars verändert sich ebenso umfassend wie die Anforderungen und Gewohnheiten des Publikums. Maker-Spaces, Gaming, Coworking, WLAN, Onleihe, E-Books, E-Paper und E-Reader, Tablets und momentan vor allem Sprachkurse und Zugang zu den Bibliotheken für Flüchtlinge treiben die oftmals einzig verbliebenen nicht-kommerziell genutzten Kulturorte eines Ortes um. Die Bedeutung der Bibliotheken als der dritte Ort neben Arbeitsplatz (oder Schule) und Zuhause nimmt zu.

Wie lässt sich dieser Wandel im digitalen Raum abbilden? Und welche Rolle kann Social Media für eine Bibliothek spielen? Welche Rolle kann eine Bibliothek in Social Media spielen?

Welche Möglichkeiten sich im Social Web eröffnen und welche Dienste aktuell für eine Bibliothek relevant sind, erfuhren die dreizehn teilnehmenden Bibliotheken im Rahmen unseres Qualifizierungsprogramm durch Christoph Deeg, der in den letzten Wochen von Eschweiler über Espelkamp nach Plettenberg reist.

Ab nächster Woche reisen wir vom Coaching-Team von Bibliothek zu Bibliothek, um jeweils gemeinsam ein Projekt zu finden, das wir bis 2017 begleiten und mit dessen Hilfe die Teams und Leitungen der Bibliotheken Social Media einsetzen und mit ihren digitalen und analogen Angeboten und dem Ort verknüpfen lernen. Begleitet werden sie hierbei durch uns: das Team der Fachstelle der Öffentlichen Bibliotheken, Christoph Deeg und mich, Wibke Ladwig. Ich persönlich freue mich auch sehr darauf, ganz unterschiedliche Orte in Nordrhein-Westfalen zu besuchen. Auch darüber werde ich hier berichten.

Auf, auf Ihr Wandersleut‘! Die #BibReise geht weiter.

Wer reisen will, muss zunächst Liebe zu Land und Leute mitbringen, zumindest keine Voreingenommenheit. Er muss guten Willen haben, das Gute zu finden, anstatt es durch Vergleiche tot zu machen.

– Theodor Fontane

2015-11-25 16.22.17-1

Wohin uns die #BibReise führen wird?

Empfehlung zum Thema: “Welche Rolle hat die Bibliotheksleitung, um die Social-Media-Aktivitäten der Bibliothek zum Erfolg zu bringen?” von Stephan Schwering

 

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4 Kommentare zu “Erste Prüfungen: Bibliotheken im Social Web

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